Wir fahren in die Berge – zum Paddeln!

Türkisfarbenes Wasser! Die Fotos vom letztjährigen AOC-Treffen am Faaker See hatten uns schwer beeindruckt. Und so entstand dann irgendwann die Idee, in Österreich Urlaub zu machen und dabei Bergseen zu paddeln.

Kringelfieber 2017
Bootstaufe

Ende April machten wir uns auf den Weg. Unser erstes Ziel sollte der Edersee sein, dort fand zum zwölften Mal das Kringelfieber statt. Wir verbrachten ein wunderbares Wochenende mit gleichgesinnten Freestylern und drehten uns ständig im Kreis. Highlights war mein erster eigener Workshop als Instruktor zum Thema Oberkörperrotation und dann natürlich mein neues Boot. Sebastian hatte es mit zum Edersee gebracht und dort wurde es in einer wunderschönen kleinen Feier auf den Namen Krümel getauft und natürlich auch stilgerecht eingeweiht. Oscar ist jetzt nicht mehr einsam!

Swift Keeywadin 18.6. Foto: Wolfgang Hölbling ccb
Swift Chicot. Foto: Wolfgang Hölbling ccb

Am 1. Mai fuhren wir dann weiter Richtung Österreich mit dem ersten Ziel Faaker See in Kärnten. Anderwalds hießen uns auf ihrem Campingplatz herzlich willkommen und natürlich standen wir direkt am Seeufer und konnten stundenlang auf dieses wunderbare Wasser schauen. Aber wir schauten nicht nur, sondern paddelten auch. Da der See nicht sehr groß ist, bot sich Kringeln dafür an. Wir taten es reichlich, voll mit frischem Input vom Edersee. Insbesondere Inner und Outer Gimbal wollten geübt werden, hatte uns doch Franzi viele Hausaufgaben mitgegeben. Aber es bot sich auch die Gelegenheit, sehr hochwertige Boote von Swift Probe zu paddeln. Wolfgang Hölbling stellte sie uns dankenswerterweise zur Verfügung. Und dabei keimte eine neue Liebe auf: Der Swift Chicot könnte unsere Bootssammlung in Zukunft bereichern. Zumindest ist er unser derzeitiger Favorit für ein Freestyle tauglichen Tandem. Dabei paddelten wir zweimal den geschlängelten Weg durch das Schilf zum Campingplatz Poglitsch. Das machte riesig Spaß und erinnerte uns an die Feldberger Seen.

Das sollte es aber noch nicht gewesen sein. Unser nächstes Ziel war der Grundlsee und dort der Campingplatz in Gössl. Dieser See liegt in der Steiermark auf 712 m Höhe, eingepfercht vom Dachsteinmassiv im Süden und dem Toten Gebirge im Norden.

Grundelsee

Hoch aufragende Felswände, die mitunter fast senkrecht in den See stürzten, umgaben den sechs Kilometer langen See, der sich schmal zwischen die beiden Bergrücken zwängte. Schneebedeckte Gipfel krönten die Bergketten. War der Anreisetag noch mit schlechtem Wetter versehen, so empfing uns am nächsten Tag strahlender Sonnenschein mit Temperaturen Anfang der 20°C.

Wir starteten unsere Tour im Tandem und fuhren gemütlich am Südufer entlang, nicht ohne vorab ein paar kitschige Fotos vom Schloss am Nordufer geschossen zu haben. Das Südufer ist so steil, dass es über weite Strecken nicht bebaut ist. Die Bäume stürzen von den steilen Hängen direkt ins Wasser und bilden dort faszinierende Baumleichen, die knapp unter der Wasseroberfläche schwammen. Immer wieder hielten wir inne und bewunderten die Schönheit dieser urigen Natur, machten Fotos oder schauten einfach nur. So paddelten wir gemächlich zum Westende des Sees, wo auch der Seeabfluss ins Tal stürzte. Für dieses Gewässer waren wir nicht ausgerüstet und so machten wir kehrt und paddelten am Nordufer entlang, wo auch die Gemeinde Grundlsee lag. Beim Dorfwirtshaus Stöckl legten wir an und hatten ein leckeres Mittagessen auf der schattigen Terrasse direkt am Seeufer. Gestärkt paddelten wir das Nordufer weiter. Tine hatte bei der Anreise noch ein Café ausgemacht und dies suchten wir. Und tatsächlich, kurz vor dem Schloss, tauchte am Nordufer unter Bäumen die Murbodenhüttl auf, ein schön gelegenes Gasthaus am Seeufer unter hohen Bäumen.

Rast bei der Moorbodenhütl

Wir genossen die wärmende Sonne auf der Terrasse, den grandiosen Ausblick auf den See und natürlich auch den üppigen Nussstrudel. Papp satt war es dann nur noch ein Katzensprung zurück nach Gössl.

Unser nächstes Ziel sollte der Vordere Gosausee sein. Der See ist mit zwei Kilometern Länge eher klein, aber die Vorstellung, vor einem schönen Alpenpanorama zu kringeln, motivierte uns zu einem Ausflug ins Gosautal. Krümel und Oscar lagen sowieso noch auf dem Auto, los ging es über Berg und Tal, vorbei am Hallstätter See und hinein ins Gosautal. Immer enger wurde das Tal, immer steiler wurde die Straße, die sich an der Gosau entlang schlängelte, die rauschend ins Tal stürzte. Der Berge rückten heran, wir passierten die erste Talstation für Skifahrer, Skipisten zerfurchten die Hänge, Skilifte durchschnitten die Bergwälder. Und dann endete die Straße an einem Parkplatz, von dem wir zu Fuß noch ein Stück hochlaufen mussten, vorbei an einem Restaurant, bis wir dann freien Blick auf den See hatten.

Vordere Gosausee

Auf den See hatten wir freien Blick, aber wo bitteschön war das Wasser? Wir erfuhren, dass der See über Winter um 36 m abgelassen wird, damit er die Schneeschmelze vom Dachsteingletscher im Frühjahr aufnehmen kann. Es bleiben dann zwar immer noch 46 m Wasser übrig, aber das Ufer war so steil, dass wir nie heil unten angekommen wären. Das Einzige was uns blieb, war der betörende Anblick des Dachsteingletschers am Ende des Gosautales. Und natürlich Käsespätzle im Restaurant.

Waren wir nicht am Hallstätter See vorbeigekommen? Spontan planten wir um und powered by Käsespätzle fuhren wir wieder runter ins Tal. Dort gab es einen großzügigen Parkplatz, den Tine eigentlich als Einstieg für den nächsten Tag vorgesehen hatte. Nun setzen wir hier unsere Solos ein und kämpften uns bei Gegenwind Richtung Süden gen Hallstatt. Dort angekommen, legten wir etwas erschöpft an der Terrasse eines Hotels an. Dabei übersahen wir, dass direkt nebenan eine Gastwirtschaft war, ebenfalls mit schöner Terrasse. Zur Strafe bekamen wir reichlich überteuerte Speisen serviert. Dabei hatten wir ungehinderten Anblick von Chinesen, die sich vor uns in allen denkbaren Posen auf dem Steg vor dem See-/Bergpanorama fotografieren ließen. Warum Chinesen? Nun, ein Chinese hatte irgend einmal entschieden, dass Hallstatt die typische österreichische Bergstadt sei und diese 1:1 in China nachbauen lassen.

Halstatt

Dies hat zur Folge, dass nun viele Chinesen nach Hallstatt kommen, um zu prüfen, dass es in Wirklichkeit genauso aussah wie im Nachbau. Grotesk, aber irgendwie auszuhalten.

Um 25€ ärmer, dabei wenig gesättigt, machten wir uns auf den Rückweg. Der See war schön, vielleicht nicht ganz so schön, wie der Grundlsee. Aber Hallstatt vom Wasser aus zu sehen, war sehr beeindruckend. Dieser Ort hängt quasi am Berghang, jeder Flecke horizontaler Boden ist bebaut.

Ein paar Tage später fuhren wir weiter nach Salzburg. Neben viel Sightseeing wollten wir auch den Wiestalstausee paddeln. Dieser Stausee liegt 11km südöstlich von Salzburg und hat früher Salzburg mit Strom versorgt. Dies schafft der Stausee mittlerweile nicht mehr alleine, aber schön ist er trotzdem. Er ist etwa 4km lang und maximal 500m breit. Damit lässt er sich locker an einem Tag abpaddeln.

Wiesenstausee Start

Wir starten bei hohem Wasserstand am Nordende, ich mit Krümel, Tine mit ihrem neuen SUP-Board. Wir wenden uns bei Gegenwind dem Westufer zu, das überwiegend steil ins Wasser stürzt, und paddeln gen Süden. Langsam paddeln wir das schöne Ufer entlang, schauen uns jede Bucht an, die meistens durch Wasserfälle in die Felsen geschnitten wurden. Nach 2km machten wir in einer dieser Buchten direkt neben dem Wasserfall Rast und aßen unsere Brotzeit. Der Ort war idyllisch, das Wasser rauschte leise neben uns in den See, jetzt nur als Rinnsal. Die breit abgeschliffenen Felsen ließ darauf schließen, dass der Bach in der Schneeschmelze viel gewaltiger herab stürzte.

Nach der Mittagspause ging es weiter gen Süden, auf die Staumauer zu. Im Hintergrund sahen wir die Gipfel des Watzmann. Der Wind hatte gedreht und mit Rückenwind ging es flott voran. Insbesondere für Tine war es einfach. Stehend auf dem Board wirkte sie wie ein Segel und kam mühelos voran. Bald tauchte die Staumauer auf, wir machten Fotos und drehten rum. Am Ostufer paddelten wir zurück. An diesem Ufer geht eine Straße entlang, die offensichtlich die Hausstrecke der Salzburger Motorradfahrer ist. Ihr Sound begleitete uns die ganze Tour.

Nach 1km ist ein Einschnitt am Ostufer, wir paddelten hinein. Dieser Seitenarm ist der größte des Wiestalstausees und wird durch den Mörtlbach gebildet. Dieser stürzt durch einen spektakulären Wasserfall in einen Trog. Die nördlich Wand des Troges ist hoch bis über unsere Köpfe ausgespült von den gewaltigen Wassermassen der Schneeschmelze. Das gedämpfte Licht verursacht eine mystische Stimmung, man wähnt sich in Neuseeland und würde sich nicht wundern, wenn ein Hobbit am Ufer auftauchen würde.

Wieder zurück auf dem Stausee, ging es weiter gen Norden. Der Wind hatte zugelegt und eine kleine Welle hatte sich ausgebildet. Tine hatte mächtig zu kämpfen, auch jetzt war sie ein Segel!

Nach einiger Zeit tauchte eine große Kiesbank in einer Bucht auf. Wir legten dort für eine kurze Rast an. Im Hintergrund stürzte wieder Wasser in den See und ich machte noch ein paar schöne Fotos von Tine direkt vor dem Wasserfall. Wir verweilten nicht lange, obwohl das Wetter einladend war. Die Sonne schien und es war angenehm war,doch der Wind hatte das Potenzial, weiter zuzulegen. So paddelten wir das letzte Stück zurück zum Auto und waren reichlich erschöpft, als wir dort ankamen.

Damit endete unsere letzte schöne Paddeltour in diesem Urlaub. Viele Seen hatten wir nicht gepaddelt, viele Sehnsuchtsorte hatten wir auf der Karte und in unseren Seelen markiert. Wir würden wiederkommen, versprochen!

©Ralf Richter 2017

3 Antworten auf „Wir fahren in die Berge – zum Paddeln!“

  1. kleiner Tipp zum Wiestalstausee: die Angler sind zum Teil wirklich sehr angriffslustig. Obwohl wir sehr viel Abstand hielten, wurden wir wild beschimpft und bedroht. Das ging von „wir werden euer Boot zerstören“ (Grabner Adventure) über „Scheiss Deutsche „(dabei leben wir nur 15 km von der Grenze entfernt) bis zu „wir werden euch in die Fresse hauen“. Das erste Mal, dass wir so etwas erlebt haben. Da kann man nur Kopf schütteln. Gerade weil wir wirklich rücksichtsvoll und mit viel Abstand vorbei gefahren sind. So schön der See auch ist, aber da wollen wir nie wieder hin!

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