Swift Chicot: Unser neuer Tandem-Canadier

Im September 2017 haben wir unseren neuen Tandem-Canadier bekommen, einen Swift Chicot. Im Folgenden möchte ich beschreiben, wie wir zu diesem Boot gekommen sind.

Tine hatte sich als erstes Boot einen Gatz Athabasca in Ultraleicht gekauft. Dieses Boot hat uns über viele Jahre gute Dienste geleistet. Beim Kringelfieber 2015 hatten wir erste Gehversuche im Tandem-Freestyle gemacht. Im Anschluss daran haben wir unsere Freestylefähigkeiten ausgebaut und immer wieder auch im Tandem geübt. Irgendwann wurde uns klar, dass der Athabasca zwar sehr drehfreudig ist, aber an anderen Stellen nicht gut für Freestyle geeignet ist. Ein Umbau schlossen wir nach einigen Überlegungen aus und entschieden uns, ein neues Boot zu suchen. Es sollte drehfreudig sein, aber trotzdem einen normalen Geradeauslauf haben, es sollte Tourentauglich sein, es sollte sich gut und harmonisch ankanten lassen und letztendlich eine gute Sitzposition mit entsprechender Ergonomie haben. Und das Boot sollte nicht viel schwerer als 20 kg werden.

Mit diesen Vorgaben machten wir uns auf die Suche. Wir sprachen mit mehreren Händlern, probierten einige, mitunter sehr schöne Boote, die sehr verlockend waren, aber letztendlich nicht alle Anforderungen erfüllten. Beim Kringelfieber 2016 hatten wir einige Boote Probe gepaddelt und auch 2017 hatten wir jede Gelegenheit genutzt, aber nicht das ideale Boot gefunden. Abermals suchten wir den Rat von Experten, ohne ein greifbares Ergebnis.

Vom Kringelfieber fuhren wir direkt an den Faaker See nach Kärnten. Dort hatten wir uns locker mit Wolfgang Hölbling verabredet, der sich dann auch alsbald mit einer Bitte bei uns meldete. Er brauchte Fotos vom neuen Keywadin 18.6 und bat uns, als Paddelmodells zur Verfügung zu stehen. Das machten wir gerne und Wolfgang rückte mit dem schönen blauen Keywadin 18.6 an und brachte für sich als Fotografenboot einen roten Swift Chicot mit.

Wir verbrachten einige Zeit im Keywadin 18.6 und Wolfgang fertigte sehr schönte Fotos von uns in dem Boot an. Als dann die Session beendet war, baten wir Wolfgang, uns doch mal den Chicot ausprobieren zu lassen. Natürlich war das kein Problem und wir paddelten los. Wunderbar harmonisch ließ sich das Boot paddeln. Und als wir dann das erste Freestyle-Manöver angingen, ging alles leicht und schön und es fühlte sich an, als hätten wir nie ein anderes Boot gepaddelt. Das Boot rauschte um die Kurve und wir hatten Bock auf mehr. Nach einigen weiteren Manövern war klar, dass wir eine neue Nummer 1 für unsere Liste hatten. Wir verließen Kärnten mit der Sicherheit, ein Boot für uns gefunden zu haben. Im Sommer testeten wir dann noch ein Bell Starfire, der uns auch gut gefiel, aber dieses Boot war gebraucht nicht zu bekommen. Damit war die Entscheidung gefällt und wir entschieden uns, das von uns getestete Vorführboot zu kaufen.

Unser Chicot wurde uns im September am Dranser See beim Canadiertreffen übergeben. Ein paar Tage später tauften wir ihn in Ludwigshafen auf den Namen Elmo. Nach Oscar und Krümel war das nun das dritte Mitglied aus der Sesamstraße in unserer Flotte. Unser Chicot ist in Kevlar ausgeführt, der Süllrand in Carbon und die Einbauten sowie eine Leiste am äußeren Süllrand aus Kirschholz. Er hat ein sehr schönes Tragejoch. Sein Gewicht wird mit 21 kg angegeben, nachgemessen habe ich es noch nicht.

In seiner Form erinnert mich der Chicot an den Chestnut Prospector. Wenn man unseren ebenfalls 17 Fuß langen Bell Prospector daneben legt, fallen einem die Unterschiede aber doch ins Auge. Der Chicot hat sehr harmonische Linien und weiche Rundungen. Er ist nicht so gestreckt wie die Keywadin-Flotte, eher etwas fülliger in der Mitte. Die symmetrischen Enden sind weit hochgezogen mit wenig Flare, ähnlich wie beim Prospector. Dafür ist das Mittelschiff beim Chicot deutlich flacher mit weniger Freibord. Dadurch ist die Deckslinie sehr dynamisch. Also ein Boot mit Kurven und schwungvollen Linien.

Was begeistert uns am Chicot?

Da ist natürlich die sehr gute Verarbeitung von Swift. Es macht schon Spaß, ganz genau hinzuschauen und praktisch nirgendwo eine Stelle mit unsauberer Verarbeitung zu finden. Das schöne Kirschholz unterstützt den angenehmen Anblick noch.

Die Sitzpositionen und die Paddelergonomie entsprachen unseren Wünschen und wir fühlten uns sofort wohl. Die Sitzfläche aus Gurtband könnten ein wenig steiler stehen, aber das lässt sich leicht korrigieren. Die Sitze selber sind sehr bequem ausgeformt uns lassen sich lange ohne Ermüdungserscheinungen nutzen.

Entscheidend für uns für die Entscheidung für dieses Boot aber waren die Fahreigenschaften. Der Chicot lässt sich ohne großen Aufwand geradeaus paddeln. Auf einen dezenten J-Schlag reagiert er gerne und willig. Wenn man dann eine Kurve einleitet, folgt er auch diesem Wunsch ohne Widerwillen. Sobald man ihn aber auf die Kante stellt und die Enden aus dem Wasser kommen, wird er in der Kurve wirklich dynamisch und er rauscht dann ums Eck. Dabei ist das ankanten selbst mühelos und er gibt viel Rückmeldung, so dass sich gut einstellen lässt, wie weit man den Süllrand runter drücken möchte oder wieviel Wasser man ins Boot aufnehmen will.

Sehr erstaunt waren wir, dass dann auch andere Manöver sehr mühelos funktionierten. Noch kein Boot machte so viel Spaß bei den Side Slips. Und auch das Rückwärtspaddeln ging im Chicot für den Bugpaddler erstaunlich einfach und flüssig. Erste Fahrten bei leichten Wellen und Seitenwind verliefen problemlos. Ein gutes Stück Alltagstauglichkeit verbirgt sich hinter diesen Eigenschaften. Wir freuen uns auf jede Tour mit diesem Boot und wir sind wirklich dankbar, ihn paddeln zu dürfen.

Da der Chicot sehr neu ist und noch kaum in Europa verfügbar ist, können wir nur empfehlen, jede Gelegenheit zu nutzen, eine Probefahrt mit diesem schönen Boot zu machen.

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