Paddeln auf den Spuren von James Bond

Szene 1: Der Hauch des Todes

James Bond, gespielt von Timothy Dalton, rast auf der Flucht vor Granaten mit seinem Aston Martin durch den verschneiten Winterwald, verfolgt von schwer bewaffneten Schergen. Das obligatorische Bond-Girl klammert sich am Sitz fest. Nach einem Blick auf die Karte eröffnet sie dem Helden, dass der Weg am Weißensee enden würde. James rast weiter und nimmt einen Bootsschuppen aufs Korn, den der Wagen mit auf die zugefrorene Seefläche reißt. Seine Häscher bringen sich am Seeufer in Stellung und beschießen ihn abermals mit Granaten. Im letzten Moment verlässt er die zweifelhafte Deckung des Bootsschuppens, bevor dieser unter einem Granateinschlag explodiert. Den Polizei-Lada, der ihn auf die Eisfläche gefolgt ist, umkreist er mit blanker Felge, so dass er eine Eisscholle herausschneidet, auf dem das Auto im See versinkt. Mit den üblichen Gadgets, die Q in den Aston eingebaut hatte, können sie sich durch einen gewagten, raketenbefeuerten Sprung über die Verfolger hinweg, retten.

Paddeln, als wenn Du fliegst!

Wir hatten faszinierende Bilder im Canadier-Forum gesehen, die uns motivierten, abermals nach Österreich zu fahren, um dort Bergseen zu paddeln. Einer von diesen wunderbaren Seen ist der Weißensee, Kärntens höchster Badesee auf 930m. Aber der Reihe nach.

Unser erstes Ziel sollte mal wieder der Faakersee bei Villach in Kärnten sein. Und abermals steuerten wir den Campingplatz Anderwald an. Dort sollte über Himmelfahrt das Jahrestreffen des Österreichischen Canoe-Clubs AOC stattfinden, an dem wir teilhaben wollten. Aber erstmal empfing uns Österreich mit drei Tagen Dauerregen. Nur wenige kurze, trockene Momente nutzten wir, um das türkise Wasser des Faakersees zu testen. Pünktlich zum Himmelfahrtstag wurde das Wetter schön und wir verbrachten ein wundervolles Paddelwochenende mit der österreichischen Paddelfamilie. Einer der Höhepunkte war das Live-Konzert am Samstagabend am Seeufer inklusive Freestylekür zur Livemusik. Gänsehautstimmung garantiert!

Live Konzert Claus Ulrich und Ulli Buth

Am Sonntag löste sich dann dieses Treffen leider auf und wir brachen auf zum etwa eine Stunde entfernten Weißensee. Über ein kleines Sträßchen rumpelten wir immer weiter hinauf in die Berge, bis wir dann schlussendlich am Ende der Straße am Ostende des Sees ankamen und dort unser Quartier beim Terrassencamping Ronnacher aufschlugen.

Den nächsten Morgen machten wir Elmo klar, um diesen schmalen See zu erpaddeln. Der Weißensee mutet im Osten mit seinen steilen Hängen wie ein norwegischer Fjord an. Das Wasser des Sees war glasklar, Sichttiefen hatte es hier bis 10 m. Der Grund ist mit weißem Kalkschlamm bedeckt, so dass man in Ufernähe durch das klare Wasser bis auf den weißen Grund schauen konnte. Fische in allen Größen schwammen unter dem Boot hindurch, zum Greifen nahe. Die Boote schienen über dem See zu schweben. Ein wunderbares Gefühl!

Langsam tasteten wir uns an der nördlichen Uferlinie entlang. Umgestürzte Bäume lagen am Ufer oder auch Unterwasser. Die Baumriesen mussten schon Ewigkeiten hier unten liegen, aber noch immer ragten sie empor. Äste krümmten sich zu großen Bögen, Zweigen zu vielen kleinen Krallen, die aus der Tiefe nach uns zu greifen schienen. Neben dem flachen Ufersockel stürzte der Grund jäh ab bis auf Tiefen von 99m. In diesen schwarzen Abgrund schienen uns die Äste locken zu wollen. Fasziniert paddelten wir diese wunderbare Landschaft entlang. Mitunter ragten die Felsen steil aus dem Wasser wie Klippen empor. Die ersten Kilometer der Tour waren die Ufer unbebaut und bis auf ein paar Wanderer am Uferweg menschenleer. Erst im Westen des Sees waren Ansiedlungen und dort fanden wir eine gemütliche Einkehrmöglichkeit.

Auf dem Rückweg folgten wir dem Südufer. Hier war die Uferlinie etwas stärker strukturiert. Murenabgänge hatten von den steilen Hängen Geröll in den See geworfen, so dass sich regelmäßig kleine Buchten ausgebildet hatten. Auch hier folgten wir jeder Einbuchtung und genossen die Vielzahl an Eindrücken. Kilometer hatten wir nicht viele an diesem Tag gepaddelt, aber wir waren am Ende dieser Tour so vollgesogen mit Naturerlebnissen, dass wir müde und zufrieden ins Bett gingen.

Die folgenden Tage nutzten wir, um diese wunderschöne Gegend zu erkunden, machten Wanderungen am See entlang oder besuchten einen Bauernmarkt. Und immer wieder gingen wir aufs Wasser, um dieses herrliche Gefühl des Schwebens beim Paddeln zu erleben, das klare Wasser zu genießen und um diese mystische Landschaft zu erleben. Der Weißensee ist für uns zu einem Traumziel geworden.

Szene 2: Spectre

James Bond steht in einer kleinen Plätte an der Pinne und steuert auf ein Ziel am Ende des Altausseer Sees zu. Die Landschaft ist tief verschneit, neblig grau und düster. Steil brechen die Felsen in den ansonsten still daliegenden See. Die Seewiese ist sein Ziel, hier hofft er auf den mysteriösen Mr. White zu treffen. Bond, hier gespielt von Daniel Craig, legt am Ufer an und schreitet auf das Jagdhaus zu. Hinter seinem Rücken kann man schemenhaft einen riesigen Felsen am Ufer erkennen. Mit gezogener Walter PPK betritt er das Haus und durchsucht es. Den vom nahen Tod gezeichneten Mr. White findet er letztendlich in seinem Kellerversteck.

Genusspaddeln auf dem Altausseer See

Nach einer Woche am Weißensee sind wir weiter an den Grundelsee gefahren. Hier waren wir vor zwei Jahren bereits und hatten den Campingplatz in Gössel mit der faszinierenden Natur in seinem Umfeld sehr genossen. Natürlich hatten wir eine vergnügliche Runde auf dem Grundelsee gedreht. Dann aber zog es uns weiter für eine Tour an den Vorderen Gosausee. Aufgrund einer Straßensperrung wegen eines Murenabganges fahren wir spontan an den Altausseer See. Der Altausseer See liegt am Ort Altaussee, nicht zu verwechseln mit dem danebenliegenden Ort Bad Aussee.

Die Tour führt uns von einer öffentlichen Badestelle von dem ansonsten stark bebauten Ufer des Nobelortes Altaussee quer über den See nach Osten, vorbei an steilen Felswänden. Unser Ziel ist natürlich das gleiche Ziel, das James Bond hatte: Die Jagdhütte Seewiese, mittlerweile ein bekanntes Ausflugslokal. Bei gutem Wetter, aber frischem Wind überqueren wir den See, der reichlich gefüllt ist, wie übrigens auch der Grundelsee. Die hohen Temperaturen haben die Schneeschmelze beschleunigt und alles Seen im Umkreis haben hohe Wasserstände. Beim Anlegen an der Seewiese fahren wir die letzten Meter über die überflutete Wiese und ziehen dann Elmo neben dem markanten Felsen ans Ufer. Auf der Terrasse der Seewiese halten wir eine zünftige Brotzeit mit touristischen Preisen. Anschließend schlendern wir zu dem großen Felsen und erklimmen ihn, um uns auf die Bank zu setzen, die dort montiert ist, die aber im Kinofilm offensichtlich entfernt wurde. Ein Messingschild teilt uns mit, dass diese Bank zum 70igsten Geburtstag von Prof. Dr. Klaus-Maria Brandauer gestiftet wurde, der in Bad Aussee geboren wurde und eine Villa in Altaussee bewohnt. Auf der Brandauer-Bank sitzend, fällt unser Blick über den See hinweg auf das wunderschöne Panorama des Dachsteingletschers. Dachsteingletscher? War da nicht mal was?

Szene 3: Sag niemals nie

Maximilian Largo dreht sich in seiner Festung Palmyra zu James Bond um:

„Das Spiel ist aus, Mr. James Bond!“.

Hämisch grinsend, wie es nur ein Klaus-Maria Brandauer kann, schaut er zu, wie ein bewaffneter Scherge den Helden, hier verkörpert von Sean Connery, abführte. Das Bond-Girl schaut dieser Szene mit blankem Entsetzen zu. Largo wendet sich ihr zu und gibt ihr mit diabolischem Gesichtsausdruck zu verstehen, dass ihr Schicksal in seiner Hand liegt.

Sag niemals nie zum Vorderen Gosausee!

Schon 2017 hatten wir einen Versuch gestartet, den Vorderen Gosausee zu paddeln. Als wir damals im Mai auf über 900m dort ankamen, fehlten glatte 36m Wasserspiegel, an Paddeln war nicht zu denken. Traurig verließen wir damals diesen beeindruckenden Ort mit dem wunderschönen Blick auf den Dachsteingletscher.

Nachdem wir in 2019 zum Grundelsee gekommen waren, starteten wir natürlich wieder einen Ausflug zum Vorderen Gosausess. Aber auch diesmal sollte es uns nicht gelingen, ein Murenabgang hatte die Straße versperrt und wir paddelten stattdessen den Altausseer See (s.o.).

Sag niemals nie: Beim dritten Versuch hat es dann geklappt. Mit Elmo erreichten wir den See an einem wunderschönen und sonnigen Tag am frühen Vormittag. Es war noch wenig los in dieser von Touristen stark frequentierten Location. Über eine Rampe an der Staumauer brachten wir Elmo zu Wasser, um dann als Einzige die Wasseroberfläche zu stören. Das Wasser war fast so glatt wie ein Spiegel, die umliegenden Felsen und der Dachsteingletscher spiegelten sich darin. Wir paddelten am Ostufer des nur 2km langen Sees dahin. Eine Klettergruppe hing knapp über der Wasseroberfläche in einer Steilwand. Nach ein paar Grußworten setzten wir unseren Weg fort zum Südufer des Sees. Dort angekommen, fanden wir auch hier eine überflutete Wiese vor. Langsam und vorsichtig glitten wir über die Wiese, umkreisten Steine und Äste. Das Wasser war vollkommen klar und es war ein unwirkliches Gefühl, über die bunten Blumen und das grüne Grass hinwegzufliegen. Viel Zeit verbrachten wir in diesem Felsenwirrwarr, schossen Fotos, die nur wenig von dieser bizarren Wirklichkeit vermitteln sollten. Dann verließen wir die Wiese wieder, um dicht am Westufer entlang zurück zu paddeln. Immer wieder stürzten kleine Wasserfälle in den See, die zum Teil weit über unseren Köpfen aus der Steilwand herausbrachen und zu uns herabströmten. Neben einem singulären Felsen, an einem breiten Wasserfall, legten wir für eine Rast an. Auf einer Bank sitzend, genossen wir die hemmungslose Natur. Das eiskalte Wasser überschwemmte einen Wanderweg und zwang die Wanderer dazu, ihre Schuhe und Strümpfe auszuziehen, um durch das kalte Wasser auf die andere Seite zu waten. Viele Chinesen waren unter den Wanderern und diese waren total begeistert von unserem Elmo, der dann auf unzähligen Fotos landete.

Als wir uns dann das Boot wieder bestiegen, um uns auf die letzte Etappe unserer kleinen Runde zu machen, kam nochmals ein Chinese mit freundlichem Lächeln und fotografierte uns. Langsam, genüsslich, fast zärtlich paddelten wir weiter, wohl wissend, dass die Tour bald ihr Ende erreichen würde. Leider erreichten wir irgendwann wieder die Betonrampe und beendeten wehmütig die letzte Tour unseres diesjährigen Österreich-Urlaubes. Der Vordere Gosausee ist eher klein, aber er hat einen riesigen Fußabdruck in unserer Seele hinterlassen!

©Ralf Richter

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