Messerschmiedekurs in Oldenburg

Messerschmiedekurs

Schmiden: Die archaische Bearbeitung von Stahl und Eisen durch Hitze und Muskelkraft.

Wir hatten Tines Neffen Friedrich einen Kurs zum Messerschmieden zu Weihnachten Geschenkt und selber den gleichen Kurs von Tines Eltern geschenkt bekommen. Da sagen wir alle Danke und ab geht’s nach Oldenburg, genauer nach Hatten. Dort hatten wir uns bei Marc Wehmer www.schmiedekunst-oldenburg.de zum zweitägigen Schmiedekurs angemeldet.

Morgens um sieben Uhr ging es los, um 9 Uhr trafen wir im beschaulichen Hatten ein und wurden dort mit einem freundlichen Moin und einem Pott Kaffee begrüßt. Zum Einstieg gab es viele Worte rund um das Thema Stahl, Eisen, Kohlenstoff und Schmieden. Okay, schnell das Wissen aus dem Studium reaktiviert und versucht mitzudenken. Komplizierte Materie mit leicht okkultem Touch. Dann endlich ging es raus in die Schmiede. Eine große Halle voller Werkzeuge, Objekte, Metallstücke, Ambosse, Schraubstöcke und mittendrin natürlich eine Esse. Diese wurde erstmal eingeheizt, natürlich mit Kohle, denn wer schmiedet denn schon mit Gas? Da fühlte man sich doch gleich ein kleines bisschen mehr Profi.

Zum Warmwerden bekam jeder ein langes Stück Vierkantstahl, welches zuerst zu einem Nagel ausgeschmiedet wurde, der dann auch einen Kopf gestaucht bekam, um ihn zu guter Letzt durch Drehen in gegensätzliche Richtungen zu verzieren. Damit hatten wir die Möglichkeit, die wesentlichen Abläufe des Schmiedens zu üben und uns mit den Werkzeugen, dem Material und nicht zuletzt mit der esse und dem Feuer auseinanderzusetzen.

Schmiedefeuer

Dann wurde es Ernst. Marc hatte ein 6cm breites, 1cm starkes und etwa 30cm langes Stahlband vorbereitet. Es bestand aus 6 Lagen Stahl wobei die beiden inneren Lagen sehr hoch vergütet waren. Materialwert ca. 300 €. Marc hatte die sechs Lagen durch Feuerschweißen miteinander verbunden und dieses Stück Stahl war jetzt die Basis für unsere drei Messer. Friedrich schnitt sich sein Stück ab, Tine und ich schmiedeten die erste Zeit zusammen. Wir trieben das dicke Stahlstück in die Länge, setzten dann an beiden Enden den Erl ab und trennten dann die beiden Klingen. Der Erl, eines von vielen neuen Worten an diesem Wochenende, ist die Verlängerung der Klinge, die später im Griff verschwindet.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Arme schon schwer. Aber es ging noch weiter, das Messer wollte ja in eine ansehnliche Form gebracht werden. Also immer wieder rein in die Esse und aufglühen, raus aus der Esse und auf den Amboss. Und dann sauste der Hammer herab und zwang den Stahl in eine neue, hoffentlich die gewünschte Form. Dies beschäftigte uns dann den gesamten Nachmittag. Am Ende des Tages waren die geschmiedeten Messerrohlinge fertig und wurden noch Spannungsfrei geglüht. Die Nacht durften sie in einem Sandeimer sachte Nachglühen, während wir erschöpft das Hotel aufsuchten und erstmal ordentlich speisten. Denn dies war über den Tag eindeutig zu kurz gekommen.

Am nächsten Morgen um 9 Uhr ging es weiter. Die Rohlinge wurden aus dem Sandeimer befreit und erstmal kritisch inspiziert. Sie waren mit Zunder überzogen, der musste erstmal runter. Also ran an die Flex und mit der Schruppscheibe wurde den Verunreinigungen zu Leibe gerückt. Das Ergebnis war ein immer noch sehr vernarbtes Stahlstück in einer annähernden Messerform. Und nun hieß es für die nächsten Stunden: Schleifen! Schleifen! Schleifen!

Irgendwann am frühen Nachmittag hatten sich die unansehnlichen Stahlstücke in metallisch glänzende Messer verwandelt, die nach einer sorgfältigen Politur mit ihren Erschaffern um die Wette strahlten. Aber was ein richtig gutes Messer sein will, das muss gehärtet werden. Also kamen die Klingen in einen Brennofen und wurden bis zur Weißglut erhitzt und anschließen im Ölbad abgeschreckt. Damit sie dadurch nicht verspröden, kamen sie dann für anderthalb Stunden zum Tempern bei 200° C in den Ofen. Das gab uns Zeit für ein zünftiges Mittagessen: Grünkohl mit Pinkel.

Die gehärteten und angelassenen Klingen waren nun wieder mit einer dünnen Zunderschicht überzogen, die es mal wieder zu entfernen galt, also schleifen und polieren. Anschließend Stand die Anfertigung der Griffe auf dem Programm.

Friedrich wählte einen Griff aus Eichenholz, kombiniert mit einem Parierstück aus Rotguss. Tine und ich wählten Teakholz für den Griff und Marc empfahl uns Büffelhorn für das Parierstück. Während Friedrich fröhlich an seinem Parierstück feilte, mussten wir nur den Erl erhitzen und das Büffelhorn darüber schieben. Der Erl schmolz das Horn, bis das Stück irgendwann passte. Der Holzgriff wurde dann ebenfalls auf den Erl gebrannt, ein einfaches, aber praktisches Verfahren. Abschließend wurden beide Stücke mit Epoxidharz verklebt.

 

Nun waren Messerklinge und Griff vereint, im nächsten Schritt musste der eigentliche Griff aus dem Holzklotz herausgearbeitet werden. Das bedeutete mal wieder: Schleifen!

Jetzt sahen die Messer schon so aus, wie wir sie uns gewünscht hatten, einzig eine letzte, aber entscheidende Eigenschaft fehlte ihnen noch: Die Schärfe. Marc holte die Schleifsteine hervor und wir standen für die nächsten Stunden an den Schleifsteinen und gaben den Klingen ihre Schärfe. Da die Messer aus extrem harten Stahl waren, brauchte auch dies so seine Zeit und es war dann 19 Uhr, als wir die Heimfahrt antraten. Müde, erschöpft, mit dem einen oder anderen kleinen Aua in den müden Knochen, aber begeistert über das geleistete, fasziniert von dem archaischen Handwerk und glücklich über die selber erschaffenen Messer kamen wir wieder zu Hause an.

Unser Dank gilt Marc Wehmer für die tolle Betreuung und den Einblick in eine faszinierende Materie.

Text von Ralf Richter

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Küchenmesser mit Lederscheide

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